Vorsorge und Selbständigkeit

Von: Beat Pfistner

Derzeit sind schweizweit tausende Kleinstbetriebe wie auch kleine und mittlere Unternehmen mit der Planung von Nachfolgelösungen beschäftigt. Dieser Umstand wird vielen Personen die Möglichkeit eröffnen, in ein Unternehmen einzusteigen oder es zu übernehmen. Doch wie lässt sich die Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit finanzieren und sind Vorbezüge aus der Altersvorsorge möglich und angezeigt?

Beispielsweise bietet der Geschäftsinhaber eines Ingenieurbüros - er steht vor der Pensionierung - einem seiner Mitarbeiter (40-jährig, verheiratet) die Übernahme des Unternehmens an. Der potenzielle Nachfolger wagt den Schritt in die Selbständigkeit und beabsichtigt, die Übernahme mittels Vorbezügen aus der zweiten Säule, also der beruflichen Vorsorge, zu finanzieren.

Strenge Vorschriften für den Kapitalbezug aus der beruflichen Vorsorge

Obwohl eine Beschränkung oder gar ein Verbot gegenwärtig parlamentarisch diskutiert werden, ist es dem Mitarbeiter bis auf weiteres möglich, das gesamte angesparte Freizügigkeitskapital (Altersguthaben) aus seiner Pensionskasse vorzeitig zu beziehen. Voraussetzung dafür ist, dass dieses an sich gebundene Kapital der Selbständigkeit dienen wird und in eine Einzelfirma oder eine Personengesellschaft (zum Beispiel Kollektivgesellschaft) eingebracht wird. Zudem muss der Ehepartner (oder der Partner in eingetragener Partnerschaft) einer Auszahlung zustimmen. Für die Gründung einer AG oder GmbH steht das Altersguthaben jedoch nicht als Startkapital zur Verfügung.

Vorteilhafte Besteuerung von Kapitalleistungen

Kapitalleistungen aus der beruflichen Vorsorge unterliegen bei Bund, Kantonen und Gemeinden einer einmaligen Sondersteuer zu einem wesentlich vorteilhafteren Tarif als bei der ordentlichen Besteuerung. Die gesonderte Besteuerung verhindert insbesondere, dass ausserordentliche Vorsorgeeinkünfte aufgrund der progressiven Tarifgestaltung zu einer höheren Besteuerung des regulären Einkommens führen. Zu beachten ist, dass die von verschiedenen Vorsorgeeinrichtungen ausgerichteten Kapitalleistungen im gleichen Jahr für die Besteuerung zusammengerechnet werden.

Wiederaufbau Altersguthaben in der Selbständigkeit

Basierend auf dem Vorbezug werden im Laufe der selbständigen Unternehmenstätigkeit idealerweise Überschüsse erwirtschaftet, welche die entstandene Lücke im Altersguthaben mindestens kompensieren. Dem Risiko eines substanziellen Verlustes der Altersvorsorge ist mit einer weitsichtigen Planung zu entgegnen und das "Projekt Selbständigkeit" sollte als Nebenprodukt den raschen Wiederaufbau des Altersguthabens vorsehen. Für junge Selbständige kann es sinnvoll sein, die freien Mittel länger in die Selbständigkeit zu investieren, da 15 bis 20 Jahre vor der Pensionierung ein finanziell interessanter Zeitraum beginnt, um bestehende Lücken wieder zu schliessen.

Grundsätzlich kann man sich unmittelbar nach Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit oder zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt freiwillig der beruflichen Vorsorge anschliessen. Ein wichtiger Vorteil des Anschlusses an eine Pensionskasse ist deren Schutz bei Tod und Invalidität. Gerade Selbständige mit Familie sollten dies berücksichtigen.

Weiter besteht die Möglichkeit zu Einkäufen von Deckungslücken in die zweite Säule. Die zwei grossen Vorteile bestehen aus höheren Leistungen der Pensionskasse sowie tieferen Steuern, weil der Einkauf vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden kann. Werden die Einkäufe über mehrere Jahre gestaffelt, ist der Steuereffekt grösser als bei einmaligen Zahlungen. Dem steht gerade in der Anfangsphase der Selbständigkeit entgegen, dass das Geld der Einkäufe nicht mehr für unternehmerische Investitionen zur Verfügung steht. Zudem würde im Scheidungsfall auch eine Teilung mit dem Partner erfolgen.

Alternativ oder ergänzend zu den Aufbaumöglichkeiten der zweiten Säule bietet sich die Säule 3a an. Die einbezahlten Sparbeiträge können steuerlich vom Einkommen in Abzug gebracht werden kann. Bei gleichzeitigem Anschluss in der 2. Säule kann zurzeit im Maximum 6'768 Franken pro Jahr einbezahlt werden. Personen, die keiner 2. Säule angeschlossen sind, können 20% ihres Verdienstes in die Säule 3a einzahlen und steuerlich in Abzug bringen, maximal 33'840 Franken pro Jahr.

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